CDS II/15 – Urkundenbuch der Stadt Grimma und des Klosters Nimbschen, ed. Schmidt (1895)

Urkundenbuch der Stadt Grimma und des Klosters Nimbschen, hrsg. von Ludwig Schmidt (CDS II/15), Leipzig 1895

Der Historiker und Dresdner Bibliothekar Ferdinand Ludwig Schmidt (1862–1944) vereinigt in dem Band drei gleichgewichtige urkundliche Überlieferungen: Die Edition der Urkunden der Stadt Grimma setzt mit einer Urkunde König Philipps von Schwaben aus dem Jahr 1203 ein (vollständig ediert nunmehr in CDS II/19, Nr. 27 S. 41 f. und in MGH DD Philipps von Schwaben, edd. Andrea Rzihacek und Renate Spreitzer, 2014, Nr. 76 S. 172-175) und reicht bis in die Epoche der Leipziger Teilung von 1485; die letzte hier edierte Urkunde datiert auf den 9. Oktober 1486. Schmidt hat dem Editionsteil einen kurzen Abriss der Geschichte der Stadt Grimma vorangestellt (S. XII-XXII). Die Urkunden, die die beiden im vorliegenden Band berücksichtigten Klöster betreffen, werden, wie im zweiten Hauptteil des „Sächsischen Urkundenbuchs“ (Codex diplomaticus Saxoniae) üblich, von den städtischen Urkunden getrennt in jeweils gesonderten Abschnitten ediert. Dabei wurde die Edition der Urkunden des Klosters der Augustiner-Eremiten St. Augustin, dessen Gründung im Jahr 1287 genehmigt worden war, über dessen formelle Aufhebung im Jahr 1529 hinaus bis zur Korrespondenz des Kurfürsten Johann Friedrich I. des Großmütigen von Sachsen mit den Sequestratoren 1539/40 weitergeführt. Für die Edition der Urkunden des Zisterzienserinnenklosters St. Marienthron in Nimbschen wurde auch die Vorgeschichte der spätestens 1291 hierher verlegten geistlichen Gemeinschaft, die 1243 erstmals erwähnt wurde und um 1250 in die Stadt Grimma übersiedelte, berücksichtigt; in diesem Fall reicht die Edition bis ins Todesjahr der letzten Äbtissin (1536).


Der Codex diplomaticus Saxoniae stellt die Urkunden und das urkundenähnliche Schriftgut des mitteldeutschen Raums in wissenschaftlich verlässlichen Ausgaben bereit. Das „Sächsische Urkundenbuch“ (so die deutsche Bezeichnung) ist das grundlegende und unentbehrliche Hilfsmittel für die Erforschung Sachsens und der angrenzenden Territorien. Denn deren mittelalterliche Geschichte erschließt sich zu einem beträchtlichen Teil aus der urkundlichen Überlieferung. Das Urkundenwerk wurde 1860/61 als Codex diplomaticus Saxoniae regiae begründet und ist als Serie von einzelnen Editionen angelegt. Rasch erwarb sich der Codex den Respekt der gelehrten Fachwelt. Bis heute wird er im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung herausgegeben. Aktuell sind im Codex etwa 12.500 Urkunden erfasst und ediert. Seine Fortführung gehört zu den ehrgeizigsten Editionsvorhaben der landesgeschichtlichen Forschung in Deutschland.


Im Hauptteil II des Codex diplomaticus Saxoniae wird die urkundliche und urkundenähnliche Überlieferung der Städte und geistlichen Institutionen in Sachsen, also der Klöster und Stifte, aber zum Beispiel auch der Universität Leipzig erfasst. Die Publikationen dieses Hauptteils sind institutionell nach dem Pertinenzprinzip angelegt. Nach der Vorgabe von Ernst Gotthelf Gersdorf (1804–1874), dem Dresdner Bibliothekar, Leipziger Oberbibliothekar und Initiator des Codex, sollte die städtische Überlieferung jeweils bis zur Leipziger Teilung des Jahres 1485 in das ernestinische Kurfürstentum Sachsen und das albertinische Herzogtum Sachsen ediert werden, während für die geistlichen Institutionen die Reformation als Zeitgrenze galt. Die Urkunden der Klöster und Stifte wurden getrennt von der städtischen Überlieferung und jeweils in gesonderten Abschnitten der einzelnen Bände ediert.


Der vorliegende Band blieb für weit über 100 Jahre, nämlich bis zum Erscheinen des Zwickauer Urkundenbuchs seit 2012 (CDS II/20-21), das letzte Urkundenbuch für eine sächsische Stadt im Codex. Zugleich ist das Urkundenbuch der Stadt Grimma die letzte Edition im zweiten Hauptteil des Codex, die nach Gersdorfs Vorgaben städtische und klösterliche Überlieferung zwar in einem Band vereinte, aber in jeweils gesonderten Abschnitten edierte. Wenige Jahre später wandte sich das Augenmerk in der Codex-Arbeit dann der Fortführung des ersten Hauptteils zu. 
Zur Geschichte der im vorliegenden Band berücksichtigten Klöster in Grimma und in Nimbschen siehe Sächsisches Klosterbuch, hgg. von Enno Bünz / Sabine Zinsmeyer u.a., 2025, Bd. 1, S. 473-490 und Bd. 2, S. 1105-1138.
Zum Editor siehe Reinhardt Eigenwill: Ludwig Schmidt, in: Sächsische Biografie, hg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Online-Ausgabe: https://saebi.isgv.de/biografie/22284(Stand: 1.12.2011).


Das traditionsreiche Editionsvorhaben des Codex diplomaticus Saxoniae wird seit 2002 als Kooperationsprojekt des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig fortgesetzt. Das Vorhaben und die aktuellen Arbeiten werden auf den Projektseiten der beiden Institutionen näher beschrieben.


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Urkundenabbildung zum Band

Grimma in der Stadtansicht von Wilhelm Dilich, um 1627/29 (SLUB Dresden, Mscr.Dresd.J.291; Paul Emil Richter/Christian Krollmann (Hg.), Wilhelm Dilichs Federzeichnungen, 1907, Bd. 1, Taf. 45).

Urkundenabbildung zum Band

Siegel des Zisterzienserinnenkonvents St. Marienthron in Nimbschen an einer Urkunde vom 11.04.1369 (HStA Dresden, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 3926, Foto: Christian Schuffels).

Urkundenabbildung zum Band

Älteres, namentlich nicht zugewiesenes Siegel einer Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters St. Marienthron in Nimbschen an einer Urkunde vom 25.07.1282 (HStA Dresden, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 1024b, Foto: Christian Schuffels).