CDS II/9 – Urkundenbuch der Stadt Leipzig, Bd. 2: Augustiner-Chorherrenstift St. Thomas, ed. von Posern-Klett (1870)

Urkundenbuch der Stadt Leipzig, II. Band: Augustiner-Chorherren-Stift zu S. Thomas, hrsg. von Karl Friedrich von Posern-Klett (CDS II/9), Leipzig 1870

Das Augustiner-Chorherrenstift St. Thomas befand sich im westlichen Teil der mittelalterlichen Stadt Leipzig unmittelbar hinter der Stadtmauer und wurde 1212/13 durch Markgraf Dietrich den Bedrängten von Meißen (1162–1221, reg. 1199–1221) an der bereits bestehenden Pfarrkirche eingerichtet. Dieser hatte Kaiser Otto IV. aus der Dynastie der Welfen um die Ausstellung des Diploms vom 20. März 1212 gebeten, das am Beginn der Stiftsgeschichte steht (Nr. 1; künftig MGH DO IV, edd. Andrea Rzihacek und Renate Spreitzer, BFW 473; Regest unter anderem in CDS I/A 3, Nr. 162). Die Edition berücksichtigt die Aufhebung des Klosters, die nach Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen 1539 in mehreren Etappen bis 1543 erfolgte, und reicht bis 1545. Das Register zu den drei Bänden CDS II/8-10 findet sich in CDS II/10.


Der Codex diplomaticus Saxoniae stellt die Urkunden und das urkundenähnliche Schriftgut des mitteldeutschen Raums in wissenschaftlich verlässlichen Ausgaben bereit. Das „Sächsische Urkundenbuch“ (so die deutsche Bezeichnung) ist das grundlegende und unentbehrliche Hilfsmittel für die Erforschung Sachsens und der angrenzenden Territorien. Denn deren mittelalterliche Geschichte erschließt sich zu einem beträchtlichen Teil aus der urkundlichen Überlieferung. Das Urkundenwerk wurde 1860/61 als Codex diplomaticus Saxoniae regiae begründet und ist als Serie von einzelnen Editionen angelegt. Rasch erwarb sich der Codex den Respekt der gelehrten Fachwelt. Bis heute wird er im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung herausgegeben. Aktuell sind im Codex etwa 12.500 Urkunden erfasst und ediert. Seine Fortführung gehört zu den ehrgeizigsten Editionsvorhaben der landesgeschichtlichen Forschung in Deutschland.


Im Hauptteil II des Codex diplomaticus Saxoniae wird die urkundliche und urkundenähnliche Überlieferung der Städte und geistlichen Institutionen in Sachsen, also der Klöster und Stifte, aber zum Beispiel auch der Universität Leipzig erfasst. Die Publikationen dieses Hauptteils sind institutionell nach dem Pertinenzprinzip angelegt. Nach der Vorgabe von Ernst Gotthelf Gersdorf (1804–1874), dem Dresdner Bibliothekar, Leipziger Oberbibliothekar und Initiator des Codex, sollte die städtische Überlieferung jeweils bis zur Leipziger Teilung des Jahres 1485 in das ernestinische Kurfürstentum Sachsen und das albertinische Herzogtum Sachsen ediert werden, während für die geistlichen Institutionen die Reformation als Zeitgrenze galt. Die Urkunden der Klöster und Stifte wurden getrennt von der städtischen Überlieferung und jeweils in gesonderten Abschnitten der einzelnen Bände ediert.


Der studierte Jurist und Historiker Karl Friedrich von Posern-Klett (1830–1875) war seit 1862 bereits Ernst Gotthelf Gersdorf (1804–1874), dem Initiator des Codex-Unternehmens, bei der Erfassung von Urkunden für dessen Editionen zur Hand gegangen (vor allem für CDS II/2-3). Die beiden ersten Teile des Leipziger Urkundenbuchs verantwortete er allein (CDS II/8-9), bevor er sich dem Urkundenbuch der Städte Dresden und Pirna zuwandte (CDS II/5). Anders als die heutige Zählung als CDS II/8-9 vermuten lässt, erschienen die beiden ersten Bände des Leipziger Urkundenbuchs noch vor den städtischen Urkundenbüchern zu Meißen (CDS II/4), zu Dresden und Pirna (CDS II/5) sowie zu Chemnitz (CDS II/6).
Die urkundliche Überlieferung der übrigen Leipziger Klöster wurde in einem weiteren Band bearbeitet (CDS II/10), der erst 1894 folgte, während die Urkunden der Universität von ihrer Gründung 1409 bis 1555 schon zuvor (1874) einen eigenen Band erhalten hatten (CDS II/11). In diesen vier Editionen zur Leipziger Geschichte wurden zwar „bei weitem nicht alle Quellen zur mittelalterlichen Stadtgeschichte herausgegeben, ja nicht einmal alle mittelalterlichen Urkunden Leipzigs, aber der damals vorgelegte Quellenbestand ist doch so breit und umfangreich, dass seitdem vielfältige Forschungen davon profitieren konnten.“ (Enno Bünz, in: Geschichte der Stadt Leipzig, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Reformation, hg. von Enno Bünz, 2015, S. 20).
Zur Geschichte des Augustiner-Chorherrenstifts St. Thomas in Leipzig siehe Sächsisches Klosterbuch, hgg. von Enno Bünz / Sabine Zinsmeyer u.a., 2025, Bd. 2, S. 659-708.


Das traditionsreiche Editionsvorhaben des Codex diplomaticus Saxoniae wird seit 2002 als Kooperationsprojekt des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig fortgesetzt. Das Vorhaben und die aktuellen Arbeiten werden auf den Projektseiten der beiden Institutionen näher beschrieben.


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Urkundenabbildung zum Band

Kirche des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts St. Thomas zu Leipzig von Westen mit dem im 19. Jahrhundert gestalteten Eingangsbereich und der historistisch überformten Fassade (Foto: Sabine Zinsmeyer).

Urkundenabbildung zum Band

Federzeichnung nach dem Siegel des Propstes aus dem Augustiner-Chorherrenstift St. Thomas zu Leipzig an einer Urkunde vom 09.06.1414 (HStA Dresden, 12880 Siegel und andere Objekte, Schrank 4, Fach 2, Bl. 57a).

Urkundenabbildung zum Band

Federzeichnung nach dem Siegel des Propstes aus dem Augustiner-Chorherrenstift St. Thomas zu Leipzig an einer Urkunde vom 08.01.1517 (Nachweis/Foto: HStA Dresden, 12880 Siegel und andere Objekte, Schrank 4, Fach 2, Bl. 58a).